Körperhaltung

Die Eltern schimpften: „Setzt dich gerade hin!“, beim Ballett lernen wir: „Bauch rein, Brust raus!“ Ansonsten sollen wir noch Gegenstände auf dem Kopf balancieren können und die Pobacken zusammenkneifen. Und nicht zu vergessen: Niemals anlehnen und die Beine immer brav nebeneinander stellen, anstatt sie zu überschlagen. Und das alles soll dann unsere Körperhaltung verbessern!? Fest steht zumindest: zum Thema Körperhaltung gibt es viel zu sagen.

Das Ergebnis von eingezogenem Bauch, rausgestreckter Brust und zusammen gekniffenem Po fühlt sich jedoch nicht nur unnatürlich an, sondern sieht zudem ziemlich verkrampft aus. Atmen können wir so auch nicht mehr richtig und das hört man dann natürlich in der Stimme. Vielleicht haben uns die oben genannten Tipps etwas über das Ziel hinaus schießen lassen.

Aber wie können wir wirklich unsere Körperhaltung verbessern?

Hier kommen drei Regeln, auf die du dich verlassen kannst:

Die erste Regel lautet: Viel ist nicht immer gleich gut. Natürlich ist ein gekrümmter Rücken mit resultierendem Hexenbuckel nicht gesund. Wir tendieren aus dieser Situation heraus jedoch dazu in die andere Richtung extrem zu werden, ziehen die Schultern an und strecken die Brust heraus. Du kannst es ja mal ausprobieren, wie sich genau das anfühlt. Wahrscheinlich stellst du dann fest, dass so du nicht besonders tief atmen kannst und dass sich in deinem unteren Rücken ein Hohlkreuz abzeichnet.

Regel Nummer zwei: Aufrichtung geschieht in mehrere Richtungen. Wenn du dich nur nach oben hin aufrichtest, fehlt dir der Kontakt zum Boden, du fühlst dich weniger geerdet und deine Atmung bleibt hoch und flach. Wenn dir die Aufrichtung nach oben jedoch fehlt und du dadurch in dich zusammensackst, wird sich dein Körper sehr schwer anfühlen auch die Atmung ist weniger frei. Was du dann brauchst ist Leichtigkeit.

Regel Nummer drei: Flexibilität! Es gibt nicht die eine Position der perfekten Aufrichtung. Jeder Muskel will sowohl gefordert, als auch entspannt werden. Mehrere Stunden am Stück zu sitzen ist also auch mit einer guten Aufrichtung nicht die aller beste Lösung. Der Körper sollte auf irgendeine Art immer wieder in Bewegung gebracht werden, um ein Ungleichgewicht zu vermeiden.

Mein Tipp für die Aufrichtung im Oberkörper sieht daher wie folgt aus:

Ideale Aufrichtung für Atmung und Stimme

Ideale Aufrichtung für Atmung und Stimme

Stell dir vor, es wären zwei Fäden an deinem Körper befestigt. Einer zieht diagonal an deinem Brustbein nach vorne oben und der andere zieht von deinem unteren Rücken aus nach hinten unten. Dehne dich in beide Richtungen aus. siehe Abb.1 Jetzt brauchst du nur noch deine Schultern zu lösen. (Was gar nicht so einfach ist.)

Es fühlt sich ungewohnt an? Das ist normal. Solange du deine Atmung jetzt ungehindert in Bauch und Rücken schicken kannst, ist das super.

Und damit Regel Nummer drei nicht zu kurz kommt, setzt dich am Schreibtisch auf einen Pezziball, stell dich beim Telefonieren auf ein Wackelbrett, fahre mit dem Fahrrad zum Ziel oder baue immer wieder kleine Strecken zu Fuß in deinen Alltag ein.

Wie wirkt es sich auf die Stimme aus, wenn wir unsere Körperhaltung verbessern?

Du kannst dir den Klang deiner Stimme wie kleine Wellen vorstellen, die durch deinen Körper schwingen. Deine Gelenke fungieren wie kleine Weichen und deine Muskeln wie Straßen. Blockiert  ein Gelenk, wird der Klang nicht weiter getragen, sind die Muskeln verkrampft oder unterspannt, endet der Raum, in dem sich der Stimmklang hätte ausbreiten können. Wir brauchen also freie Gelenke und ideal gespannte Muskeln.

Wenn die Spannung im Körper durch eine physiologische Aufrichtung optimal verteilt ist, sind wir durchlässig. Unsere Atemmuskulatur kann dann optimal arbeiten und der Klang unserer Stimme wird weder versacken, weil wir zu wenig Spannung haben, noch blockieren wir ihn, weil zu viel Spannung da ist.

Wenn wir unsere Körperhaltung verbessern, verändern wir auch unsere Stimmung

Deine Körperhaltung beeinflusst deinen seelischen Zustand, ebenso wie sich dein innerliches Befinden auf deinen Körper auswirkt. Je länger und öfter dein Körper sich in Anspannung oder Spannungslosigkeit befindet, desto gestresster oder energieloser wird auch dein Inneres. Drehen wir den Spieß also lieber um und richten uns von innen in alle Richtungen auf. Denn wenn unser Körper schon die Sprache von Gelassenheit und Elan spricht, wird er im Nuh unser ganzes Wesen mit auf diesen Weg nehmen. Eine sehr gute Übung dazu findest au auch in meinem Artikel: Perfekte Spannung für deine Stimme mit Eutonie.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.