Mehr Spannung mit Eutonie

Körperspannung, Atemspannung, Stimmspannung: diese drei Spannungen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht einen gesunden Körper und eine wohlklingende Stimme zu fördern. Aber wie soll die Spannung denn sein? Stark oder schwach oder noch ganz anders? Spannung gibt es in unserer Sprache in ganz verschiedenen Varianten. Es gibt Anspannung, Entspannung, Verspannung, aber auch spannend, gespannt und und und…  Bei der Stimme geht es wie so oft im Leben darum, genau die richtige Spannung zu finden. Aber wo klappt es am besten, welche Spannung ist gesund und gleicht uns aus? Da kommen wir nun endlich zum Begriff der Eutonie*.

Was ist Eutonie?

Klingt erstmal esoterisch oder lässt uns an Waldorfschule denken? Falsche Fährte! Eutonie heißt nichts anderes als Wohlspannung. Diese Wohlspannung ist aber nicht zu verwechseln mit Entspannung oder Anspannung. Genauer gesagt liegt sie dazwischen:

Perfekte Spannung für deine Stimme mit Eutonie

Perfekte Spannung für deine Stimme mit Eutonie

Wenn unser Körper sich in einem eutonen Zustand befindet, ist er weder vollkommen entspannt, noch vollkommen angespannt. Es ist eher so, dass bestimmte Teile unseres Körpers angespannt sind (zum Beispiel die innere Bauch- und Rückenmuskulatur) und andere sich dafür entspannen können (zum Beispiel Schultern-, Nacken- und Kiefernmuskulatur).

Wie wirkt sich ein eutoner Zustand auf mein Leben aus?

Die meisten Menschen haben in ihrem Körper sowohl zu viel An- als auch Entspannung. So entstehen dann möglicherweise Fehlhaltungen, die dann zu Fehlbelastungen und letztlich zu körperlichen Beschwerden führen können. Das gleiche kann uns auch mit der Atmung oder der Stimme passierten. Das Ziel für unseren Körper, unsere Atemmuskulatur und unsere Kehlkopfmuskulatur ist dementsprechend ein eutoner Zustand. Er sorgt nicht nur für die Gesundheit der Stimme, sondern führt auf verschiedenen Ebenen zu Ausgeglichenheit:

  1. Die Stimme hört sich weder behaucht noch knarrend an. —> der Stimmklang ist voll und frei schwingend.
  2. Wir fühlen uns weniger müde und gleichzeitig weniger angespannt. —> also wach und dynamisch.
  3. Eine innere sowie äußere Aufrichtung fühlt sich leicht und vital an.
  4. Wir sind durchlässig für die Reize, die auf uns einwirken und fühlen uns gleichzeitig stabil genug, um gut mit ihnen umgehen zu können.

Zusammenfassend empfinde ich Eutonie manchmal tatsächlich so, als hätte ich den goldenen Mittelweg gefunden.

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Wie erreiche ich Eutonie?

Wenn wir jetzt mal bei dem Bild des goldenen Mittelwegs bleiben und uns vorstellen, dieser goldene Mittelweg ist nur ein schmaler Balken, auf dem wir konzentriert balancieren, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, dann steckt da eigentlich schon alles drin.

Die besten Übungen, die du nämlich machen kannst, um Eutonie zu erzeugen, sind Balanceübungen! Das liegt daran, dass wir weder zu viel, noch zu wenig Spannung gebrauchen können, wenn wir versuchen, das Gleichgewicht zu halten. Bei zu viel Spannung fehlt oft die Elastizität und wir können nicht flexibel auf Impulse eingehen. Wenn wir zu wenig Spannung haben, fehlt uns die Kraft uns aufrecht zu halten und wir müssen mit anderen Muskeln kompensieren. Beides macht uns instabil. Dem können wir aber zum Glück etwas entgegensetzen.

Dafür möchtet ich dir nun eine Schritt für Schritt Anleitung geben, mit der du deinen Körper immer mehr in Richtung Eutonie beförderst.

6-Schritteübung

Schritt 1: Stelle dich hin und spüre in deinen Körper. Wo gibt es Spannung, wo nicht?

Schritt 2: Stelle dich auf ein Bein. Verändert sich die Spannung nun?

Schritt 3: Bleibe auf diesem einen Bein stehen. Versuche Schultern, Arme und Hände loszulassen, sodass sie entspannt am Körper hängen können. Ist das möglich?

Schritt 4: Bleibe weiter auf dem Bein stehen. Versuche nun auch das Knie leicht zu beugen, das Brustbein aufzurichten und den unteren Rücken lang zu machen. Sind die Schultern noch entspannt?

Schritt 5: Wechsle nun das Bein und führe wieder Schritte 2-4 durch.

optional: (Wenn das ein Kinderspiel für dich war, mache Schritt 2-5 nun mit geschlossenen Augen und/oder auf Zehenspitzen.)

Schritt 6: Stelle dich abschließend auf beide Beine und spüre in deinen Körper. Die Spannung sollte sich verändert haben. Kannst du beschreiben, wie es sich für dich anfühlt?

Gerade nach so einer Übung wie dieser, haben wir eine besonders ausgeglichene Körperspannung. Dieser Zustand ist in den verschiedensten Situationen von Vorteil. Im besonderen eignet er sich aber auch fabelhaft für unsere Stimme. Sing doch einfach mal auf einem Bein. Oder telefoniere während du auf dem Sofa oder einer Matratze stehst. Vielleicht macht das den Unterschied!

Die drei Top-Eutonie-Helfer

Nicht nur die 6-Schritteübung hilft dir dabei deinen Körper zu eutonisieren. Du kannst auch manche Gegenstände super dazu einsetzten deine Spannung auszugleichen. Hier meine Top 3:

    1. Sitze statt auf einem Stuhl auf einem Pezziball.
    2. Fahre mit dem Fahrrad, statt mit dem Auto.
    3. Stelle dich auf ein Wackelbrett. Das ist super!

Vielleicht fliegt ja auch bei dir zu Hause noch so etwas herum? Aus Erfahrung kann ich sagen, je intensiver man sich mit den Spannungszuständen seines Körpers auseinander setzt, desto mehr kann man auch die Veränderungen wahrnehmen. Und es wird immer spannender.

*Der Begriff Eutonie wurde von Gerda Alexander geprägt, die dazu eine ganze Methode entwickelte.

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